20.06.2018
Testamentskopie als Erbnachweis ausnahmsweise zulässig

Die Kopie eines Originaltestaments kann zum Nachweis der Erbfolge genügen, wenn daraus die formgerechte Errichtung des Originaltestaments ersichtlich ist.

Zum Sachverhalt:

Im Jahr 2015 verstarb die Erblasserin. In einem gemeinschaftlichen Testament mit ihrem vorverstorbenen Ehemann von 1995 setzten sie sich gegenseitig als Alleinerben ein und als Schlusserben eine gemeinnützige Organisation. Im Jahr 2011 errichteten beide Ehepartner ein neues, notarielles Testament, in dem sie ihren Enkel als Alleinerben einsetzten. Darin wurde die Einsetzung der gemeinnützigen Organisation als Schlusserbe widerrufen.

Nach dem Eintritt des Erbfalls beantragte die gemeinnützige Organisation einen Alleinerbschein, dem das Amtsgericht auf Grund des wechselseitigen Testaments von 1995 auch nachkam. Daraufhin legte der Enkel eine Kopie des Testaments von 2011 vor und beantragte ebenfalls einen Alleinerbschein und den bisherigen Erbschein wieder einzuziehen.

Das Amtsgericht wies die Anträge des Enkels zurück, vor dem OLG hatte seine Beschwerde jedoch Erfolg.

Nach Ansicht des OLG geht das Amtsgericht nicht auf die Frage ein, ob das durch Testamentskopie vorgelegte Originaltestament wirksam errichtet wurde. Nur weil es nicht mehr auffindbar ist, ist ein nicht mehr vorhandenes Testament nicht unwirksam. Solange keine Vermutung besteht, dass der Erblasser es in Widerrufsabsicht vernichtet hat, § 2255 BGB.

Allerdings muss aus der Testamentskopie hervorgehen, dass das Originaltestament formgültig errichtet worden ist und ein Schriftsachverständiger muss nachweisen, dass beide Ehegatten es unterschrieben haben.

OLG Köln, Beschluss vom 02.12.2016

NJW Spezial 2017/40






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"Wer in einem Testament nicht bedacht worden ist findet Trost in dem Gedanken, dass der Verstorbene ihm vermutlich die Erbschaftssteuer ersparen wollte ..."

Sir Peter Ustinov
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