Testamentsvollstreckung

Anordnung und Ernennung

Die Anordnung der Testamentsvollstreckung erfolgt durch eine ausdrückliche Erklärung des Erblassers in einer letztwilligen Verfügung, also in einem Testament oder in einem Erbvertrag. Ebenfalls in der letztwilligen Verfügung erfolgt in der Regel die Ernennung des Testamentsvollstreckers durch den Erblasser.

Im Gegensatz zu der Anordnung der Testamentsvollstreckung, kann der Erblasser die Bestimmung der Person des Testamentsvollstreckers einem Dritten überlassen. Des Weiteren kann der Erblasser auch das Nachlassgericht ersuchen, einen geeigneten Testamentsvollstrecker zu ernennen. Zuständig für ein derartiges Ersuchen ist das Amtsgericht – Nachlassgericht – am letzten Wohnsitz des Erblassers.

Das Amt des Testamentsvollstreckers beginnt erst mit dem Zeitpunkt, in welchem der Testamentsvollstrecker das Amt annimmt. Zur Annahme des Amtes ist niemand verpflichtet. Die Annahmeerklärung des Testamentsvollstreckers ist an das Nachlassgericht zu richten. Das Nachlassgericht bescheinigt dem Testamentsvollstrecker auf Antrag die Annahme des Amtes und stellt ihm – ebenfalls auf Antrag – ein Testamentsvollstreckerzeugnis aus.


Kosten einer Testamentsvollstreckung

Das BGB bestimmt, dass der Testamentsvollstrecker für die Führung seines Amtes eine angemessene Vergütung verlangen kann, sofern nicht der Erblasser etwas anderes bestimmt hat.

Maßgebend ist also zunächst einmal, ob und gegebenenfalls welche Vergütungsregelung vom Erblasser in der letztwilligen Verfügung getroffen wird. Trifft der Erblasser keine Regelung – was in der Praxis oft vorkommt – erhält der Testamentsvollstrecker die „angemessene Vergütung“. Die Angemessenheit der Vergütung ist bezogen auf die von dem Testamentsvollstrecker durchzuführenden Aufgaben zu beurteilen. Handelt es sich um eine Abwicklungsvollstreckung, eine reine Verwaltungsvollstreckung oder um eine Dauertestamentsvollstreckung ?

Sodann kommt es auf die Art und den Umfang des Nachlasses, den Umfang und die Schwierigkeit der zu tätigenden Geschäfte, die Dauer und auch darauf an, ob für die Aufgabenerfüllung besondere Kenntnisse und Erfahrungen erforderlich sind.

Die Praxis hat zur Frage der angemessenen Vergütung zahlreiche unterschiedliche Tabellen entwickelt. So schlägt der Deutsche Notarverein (sog. Rheinische Tabelle) folgende Vergütungsregelung ausgehend vom jeweiligen Bruttonachlasswert vor:

Nachlasswert bis 250.000 Euro 4 %
Nachlasswert bis 500.000 Euro 3 %
Nachlasswert bis 2,5 Mio. Euro 2,5 %
Nachlasswert bis 5 Mio. Euro 2 %
Nachlasswert über 5 Mio. Euro 1,5 %

Funktion eines Testamentsvollstreckers

Der Testamentsvollstrecker hat die Stellung eines Treuhänders. Er ist Inhaber eines privaten Amtes, also weder Vertreter des Erblassers, noch Vertreter der Erben. Seine Handlungen sind bestimmt durch die Anordnungen des Erblassers und die gesetzlichen Bestimmungen des BGB.

Die Aufgabenbereiche der Testamentsvollstreckung sind vielfältig. Wenn der Erblasser befürchtet, dass sich seine Erben bei der Erbauseinandersetzung nicht einigen werden, dient die Anordnung der Testamentsvollstreckung dem Zweck diesen Streit der Erben zu vermeiden. Der Erblasser bestimmt wie der Nachlass auseinanderzusetzen ist, der Testamentsvollstrecker setzt diese Anordnungen um, ohne dass es auf Zustimmung der Erben ankommt.

Hat der Erblasser minderjährige oder behinderte Kinder, dient die Testamentsvollstreckung in aller Regel zu deren Schutz.

Wenn nach dem Tod eines Firmeninhabers kein oder noch kein geeigneter Nachfolger bereit steht, kann ein Testamentsvollstrecker das Unternehmen weiterführen.


"Wer in einem Testament nicht bedacht worden ist findet Trost in dem Gedanken, dass der Verstorbene ihm vermutlich die Erbschaftssteuer ersparen wollte ..."

Sir Peter Ustinov
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